Vom Einst zum Jetzt

Seit 1638 thront die Kästenburg auf diesem wunderschönen Hügel in Ratsch an der Südsteirischen Weinstraße.

Um 1903 kaufte unser Urgroßvater die Kästenburg von einem veramten Grafen mit dem Namen Philip. Dieser war Pfarrer und verbachte laut Erzählung unserer Großmutter sein Ausgedinge in Straß in der Steiermark.

Maria und Josef Jakopé, die Großeltern von Ilse, waren wesentlich an der Gründung der Südsteirischen Weinstraße beteilig. Opa Josef hat eben mit den rechten Leuten zur rechten Zeit bei dem ein oder anderen Glaserl' Wein im Kästenburg-Keller philosophiert - die Idee, die Südsteirische Weinstraße zu befestigen und "für die Außenwelt zugänglich" zu machen, war geboren. Der damalige Bürgermeister von Ratsch a. d. W., Josef Weber und etliche

Pioniergeister dieser Zeit waren über die Idee begeistert. Der Grundstein für die neue Straße, die neue Lebensader in der Region war gelegt.
Marianne Jakopé, die Mutter von Ilse, stand damals am Tag der Eröffnung der Südsteirischen Weinstraße, dem 15. Oktober 1955, an der Seite des damaligen Landeshauptmann Josef Krainer. Sie hatte die ehrenvolle Aufgabe, Landeshauptmann Krainer die Schere zum "Bandl-Durchschneiden" zu reichen.

In der Kurve der Kästenburg wurde somit das letzte Teilstück und damit auch die gesamte Südsteirische Weinstraße feierlich eröffnet. Landeshauptmann Krainer war so entzückt von Marianne, dass sie im Mercedes die erste Befahrung des Teilstückes zwischen Kästenburg und Weingut Bullmann mitfahren durfte.

Marianne war damit die erste der Familie, die diese neue Lebensader befahren durfte. Im Auto gab es eine nette Unterhaltung, die Marianne immer wieder gerne erzählte: Landeshauptmann Krainer fragte die gerade frisch verheiratete Marianne, ob sie sich wohl bewusst sei, was es bedeutet, einen Weinbauern zu ehelichen? Dieser würde unbedingt Erben benötigen! Marianne, die nie redefaul war, sprudelte gleich heraus, dass sie sowieso 7 Buben auf die Welt bringen möchte... Landeshauptmann Krainer versprach ihr dann: "Beim fünften Buben bin ich dann Taufpate!" - Leider ging das Versprechen nicht auf, denn der 5. Bub wurde eine Tochter: Ilse.

Durch die verbesserte Verkehrslage entstanden immer mehr Buschenschänken und andere Gastgeberbetriebe, die Kästenburg zählte schon damals zu einem der Vorreiter-Betriebe. Wo sich früher Ochsenfuhrwerke durch die Lehmstraßen schleppten rollten nun Autos und Motorräder über die befestigte Straße. Was für eine Aufbruchsstimmung! Aus einer benachteiligten Grenzregion wurde bald ein Naherholungs- und Tourismusgebiet. Großvater Josef war einer der Ersten an der Südsteirischen Weinstraße, der mit Grazer Wirten im Geschäft war und - wie damals üblich - offene Weine in Fässern nach Graz transportierte. Die Menschen liebten seinen Wein von Anfang an, so waren diese auch öfter schon vor der Ernte ausverkauft.

Zu einem guten Wein gehört gutes Essen! Ein Landesgesetzt aus dem Jahre 1956 erlaubt Weinbaubetrieben das servieren von selbst erzeugter Jause. Vom einfachen Verhackertbrot zu ausgefallenen kulinarischen Highlights - bei der Buschenschankjausn hat sich einiges getan. Traditionelle Klassiker wie Kübelfleisch, Trockenwürste, selbstgebackenes Bauernbrot und alles was der eigene Garten hergibt gehören aber auch heute noch zu einem guten Buschenschank.

1972 übernahmen Marianne und Josef Jakopé die Kästenburg. Eine damalige Bauernkammervertetung, Erika Kossek (die Taufpatin von Ilse) revolutionierte die herkömmliche Buschenschankjausn mit neuen Kreationen: Plötzlich gab es Leberwurst und Topfenaufstriche, Käse, gekochten Schinken, Kren, alles liebevoll garniert - welch Genuss!

1988 wurde das Weingut an Ilse Jakopé übergeben. Mit der Landesausstellung im Jahr 1990 kam es zur touristischen Hochblüte an der Südsteirischen Weinstraße. BesucherInnen, längst nicht mehr nur aus dem Grazer Raum wollten mehr Zeit auf der Kästenburg verbringen - somit wurde die Zimmervermietung zum Thema, und Investitionen dazu wurden getätigt.

1998 "Wohnen beim Wein" - die Kästenburg wird ein Vorreiter für den Begriff Winzerzimmer. Winzer und Winzerin hautnah erleben, mit ihnen ihr Wein-Erlebnis spüren. Die Kulturlandschaft erleben, sich im Panorama der wunderbaren Hügellandschaft verlieren - und man bekommt das Gefühl ein bisschen mehr Wein zu schmecken, zu riechen, zu spüren... dem Weinhimmel ganz nah.

2000: erster Seminarbauernhof in Österreich mit einem kleinen Wellnessbereich - die Kästenburg bietet ein umfangreiches Angebot an Winzerzimmern, Seminarraum, Welnessbereich, zwei Ferienwohnungen mit südseitigem Balkon... Liegestühle im Schatten des Nussbaums laden zum Entspannen, die Kinder fühlen sich am Spielplatz wohl, und allerlei Kästlichkeiten laden zum Genießen ein.

Oma Maria und Opa Josef, ca. 1943


Bei der Weinlese

Josef Jakopé, Blick Richtung Vincent Hotel

Und heute?


Die historische Kästenburg und die sie umgebende Kulturlandschaft als reizvolle Kulisse für Seminare und Feiern, für Hochzeiten, Jubiläen und vielerlei andere Feste. Der Pioniergeist setzt sich fort in Veranstaltungen wie Lesungen, Volksmusik mit offenem Volkstanzen, "Wein-Wissen für Jedermann", Themen-Burgbrunch oder auch Picknick im Weingarten... Dazwischen immer wieder Beschaulichkeit und Ruhe. Bei all diesen Veranstaltungen steht immer wieder der Wein als Genuss in all seinen Facetten im Mittelpunkt.

Die Familie Jakopé & Barthau hat es sich zur Aufgabe gemacht, Altes nicht zu vergessen und weiterzugeben - und Neues zuzulassen. In der Kästenburg wird der Zeitgeist nebst der Bodenstädnigkeit immer eine wichtige Rolle spielen.
In diesem Sinne viel Freude und viele weitere, unvergessliche Momente bei und mit uns auf der Kästenburg!

Ihre Gastgeber - Ilse, Werner, Lukas, Jakop & Lisa